In Teil 2 der Interviewserie “Berufe und Orientalischer Tanz” spreche ich mit der Kostümdesignerin und Tänzerin Koriana über ihre Arbeit.
Ich bin Dipl.-Modedesignerin, Geprüfte Raks Sharki Tänzerin und Graduated RAKSlive Dancer. Ich bin Geschäftsführerin von BedNeB – Bellydance Net Boutique.
Ich designe maßgeschneiderte Kostüme. Bei mir sind alles Einzelstücke, ich mache nie ein Kostüm zweimal. Persönlichkeit und Qualität sind mir sehr wichtig. Ich liebe alle Kostüme, die ich mache. Sie sind wie meine Kinder.
Außerdem bin ich auch Tänzerin.
Seit wann machst du das hauptberuflich und wie kam es dazu?
Ich studierte Mode / Leder Design an der Universität für Angewandte Kunst in Budapest. 2007 bin ich, nach meiner Diplomarbeit, nach Deutschland gekommen. Im Stuttgarter Staatstheater habe ich ein Praktikum als Kostümasistentin gemacht.
In dieser Zeit habe ich nicht nur für das Staatstheater gearbeitet, sondern habe auch viele Kostüme für Opern und Ballett genäht. Es war eine schöne und erfolgreiche, aber sehr anstrengende Zeit. Ich habe sehr viel über das Theater gelernt.
Meine Diplomarbeit war schon eine Tanzperformance mit Kostümen, dann die Welt des Theaters… Mir wurde klar: Ich will keine normalen Kollektionen designen, ich will meine Kreationen auf der Bühne sehen.
So habe ich mich entschieden als selbständige Kostümdesignerin zu arbeiten. Seit 2010 bin ich selbständige Designerin und Geschäftsfürerin von BEDNEB – Bellydance Net Boutique.
Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei dir aus?
Hmmm… ein typischer Arbeitstag… Ich arbeite 7 Tage in der Woche und täglich 25 von 24 Stunden. Es gibt keine Pause.
Ich bin Künstlerin: Wenn ich eine neue Idee habe, dann gucke ich nicht auf die Uhr. Ich arbeite und arbeite und arbeite so lange, bis ich damit fertig bin.
Wenn ich nicht zeichne oder nähe, dann schaue ich nach neuen Inspirationen. So geht der Tag immer sehr schnell vorüber.
Was sind die wichtigsten Fähigkeiten, die du in deinem Beruf brauchst?
Kreativität, Kreativität und noch mehr Kreativität. Dazu braucht man noch Fachwissen, Geduld, Verständnis und Demut gegenüber dem Beruf.
Welchen Anforderungen muss ein Kostüm von dir genügen?
Kreativität, Originalität, Persönlichkeit und Qualität.
Wie sieht der Markt für Bauchtanzkostüme in Deutschland aus?

Foto: Sebastian Runge
Es ist noch immer schwierig. Die deutschen Kostümdesigner kämpfen mit der Massenproduktion aus China und Ägypten.
Ich muss leider noch immer sehr oft Kunden erklären, dass meine Ware anders ist. Es kann sein, dass meine Preise höher sind, als bei anderen Händlern, aber ich bin Dipl. Designerin, ich achte auf Qualität und Einzigartigkeit.
Egal in welcher Stadt oder im welchen Land bin ich, ich suche immer nach neue Materialen oder nach Spezialitäten, die ich bei meinen Kostüme benutzen kann.
Ich sage nur so viel: Eman Zaki (Ägypten) hat zwei Hosen von mir, Nabila Sabha (DE) trägt meine Hose, Ma Shuqa (USA) findet mein Design einzigartig und letztesmal war Jillina (USA) sehr begeistert von meiner Trainingshose.
Verkaufst du deine Kreationen ausschließlich über das Internet?
Über das Internet verkaufe ich momentan Accessoires und Trainingsklamotten. Die eine Hälfte der Waren auf meiner Website kommt aus den USA, die andere Hälfte ist eigenes Design. Die ist unter „das Angebot des Designers” zu finden.
Professionelle Bühnenkostüme mache ich nur auf Bestellung. Das ist eine größere Arbeit und ich möchte die Person persönlich kennen lernen. Nur so kann ich das perfekte Kostüm designen.
Manchmal bin ich mit meiner Ware auch auf verschiedenen Messen. (Nächster Termin: Orientle, 10.05. Leinfelden) Da können mich die Kunden live sehen und kennen lernen. Das finde ich sehr wichtig. So können sie mein Gesicht mit der Marke verbinden.
Wieviel verdienst du mit deiner Arbeit?
Es ist schwer zu sagen. Als Selbständige hat man kein fixes monatliches Einkommen. Manche Monate sind schwächer, manche sind besser. Ich muss immer alles genau kalkulieren, weil ich nie weiß, wie der nächste Monat aussieht.
Kannst du vom Orientalischen Tanz leben?
Wie ich schon sagte: als Sebständige schwankt mein Einkommen von Monat zu Monat.
Ich muss jedoch meine Krankenversicherung, Rentenversicherung etc. (die gehören zur Sebständigkeit) immer am Monatsanfang bezahlen. Deswegen arbeite ich momentan ein paar Stunden pro Woche als Modeberaterin für eine große deutsche Modefirma.
Hauptberuflich bin ich selbständige Designerin, und ja, ich lebe vom Orientalischen Tanz.
Hast du es jemals bereut, dass du dein Hobby zum Beruf gemacht hast?
Ich bin sehr glücklich, denn ich kann das machen, was ich liebe. Kunst ist mein Leben. Egal ob Mode, Tanz oder bildende Künste. Sie alle gehören für mich zusammen.
Ich tanze, spiele Musik und zeichne & male seit meiner Kindheit. Ich bin sehr dankbar, daß meine Eltern mich immer unterstüzt haben und mich noch immer unterstützen.
Was waren die größten Umstellungen beim Schritt in die Professionalität?
Es war mir immer klar, wenn ich das machen möchte, was ich will und als Designerin/Künstlerin arbeiten möchte, dann muss ich mich selbständig machen.
Und das war hier in Deutschland zum Glück viel einfacher als in Ungarn. OK, ich musste hier auch viele bürokratische Sachen schaffen, aber ich hatte Hilfe.
Die größte Umstellung ist: Du bist nicht mehr Angestellte, du kriegst deinen Lohn nicht mehr von einer Firma am Ende des Monats. Du bist allein, du musst alles selber schaffen. Und es ist schwer. Sehr schwer.
Wenn du heute noch einmal von vorn anfangen würdest, was würdest du anders machen?
Ich denke, ich würde alles ganz genau so machen, wie ich es gemacht habe. Das Leben ist noch vor mir und ich habe noch so viele Ideen, die ich verwirklichen möchte.
Wo siehst du BEDNEB und dich in 10 Jahren?
Ich möchte weiter arbeiten und ein eigenes Atelier eröffnen. Ein richtiges Atelier, wo ich zeichnen, malen, nähen und bei einem Kaffee oder Tee mit meinen Kunden die neue Kostüme und Ideen besprechen kann.
Wenn alles gut geht, bringe ich im Frühling/Sommer eine neue „Design By Corinne” Trainingskollektion raus.
Welchen Rat würdest du angehenden Kostümdesigner/inne/n geben?
Arbeitet hart und fleißig. Habt keine Angst vor neuen Ideen, probiert alles aus, was ungewöhnlich ist. Und sehr wichtig: Gebt nie auf, auch wenn es manchmal nicht so läuft, wie ihr es möchtet.
Danke liebe Koriana für das ausführliche Interview und die spannenden Einsichten!
Hast du noch Fragen an Koriana? Dann schreib doch einen Kommentar!
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